Wein aus Rheinhessen
Das Land der 1000 Hügel und 100.000 Rebzeilen wird Rheinhessen auch genannt. Einst war es als Massenregion verschrien, doch dieses Image hat sich in den letzten 15 Jahren mächtig gewandelt. Heute ist Rheinhessen mit etwa 25.000 Hektar Rebfläche nicht nur das größte Anbaugebiet Deutschlands, sondern auch eines der dynamischsten. Eine aktive und innovative Jungwinzergeneration betritt neue Wege und produziert unter anderem aus der klassischen rheinhessischen Rebsorte Silvaner einen trockenen, modernen Weinstil. Die besten Rheinhessen-Silvaner werden unter dem Namen „RS“ vermarktet und präsentieren neben anderen bedeutsamen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Riesling, Dornfelder oder Spätburgunder das moderne, junge Rheinhessen, das sich zur Spitze gemausert hat.
Geschichte über den Wein aus Rheinhessen
Südlich von Bingen und Mainz und westlich von Worms liegt linksrheinisch das weitläufige Anbaugebiet Rheinhessen. Der Name irritiert etwas, denn es gehört nicht zum Bundesland Hessen, sondern zu Rheinland-Pfalz. Mit über 26.000 Hektar Rebfläche ist Rheinhessen das größte deutsche Weinbaugebiet.
Bereits die Römer begannen hier mit dem Weinanbau, und die im Jahre 742 urkundlich erwähnte Lage „Niersteiner Glöck“ gilt als erste schriftlich genannte deutsche Weinbergslage. Im 19. Jahrhundert wurden am rheinhessischen Rheinufer südlich von Mainz ganz hervorragende Riesling-Weine erzeugt, die ihren berühmten Kollegen von der Mosel oder aus dem Rheingau in nichts nachstanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Rheinhessen allerdings mehr und mehr zu einem Massenweinbaugebiet, das viel zum Niedergang des guten Rufs der deutschen Weine beitrug. Insbesondere die so genannte „Liebfrauenmilch“ – ein relativ süßer Massenwein, der hauptsächlich aus Rheinhessen stammte, wurde im Ausland zum Inbegriff für deutschen Weißwein minderer Qualität. Dies änderte sich erst in den 1980er-Jahren. Damals trat eine neue Generation ehrgeiziger junger Winzer auf den Plan, die alles daran setzte, das Image der rheinhessischen Weine im In- und Ausland wieder zu verbessern. Und sie haben dabei große Erfolge vorzuweisen: In Rheinhessen werden heute wieder hochwertige Spitzenweine erzeugt, und auch die einfacheren Alltags- und Konsumweine haben inzwischen einen modernen und sehr ansprechenden Charakter. Viele der hiesigen Produzenten bringen auch individuell gemachten Winzersekt heraus, der bei den Konsumenten sehr gut ankommt. Andere Erzeuger engagieren sich stark für den ökologischen Weinbau, mit dem man hier schon früh begonnen hat. Im Jahr 2008 ist Rheinhessen mit seiner „Hauptstadt“ Mainz in das internationale Netzwerk der „Great Wine Capitals“ aufgenommen worden, in dem so renommierte Weinbau-Kapitalen wie Bordeaux mit dem Bordeaux-Gebiet oder Florenz mit der Toskana vertreten sind.
Klima in Rheinhessen
Rheinhessen gehört zu den wärmsten und sonnenscheinreichsten Weinbaugebieten Deutschlands. Ursache für diese begünstigte klimatische Situation ist die Nähe der Mittelgebirge Hunsrück, Taunus und Nordpfälzer Bergland, die die Region wirksam gegen atlantische Tiefausläufer und kühle Nordwestwinde abschirmen. Der Odenwald wiederum schützt Rheinhessen vor schlechtem Wetter aus dem Osten, und im Süden profitiert die Gegend von der Nähe der Oberrheinischen Tiefebene, durch die warme Luftmassen aus dem Süden bis in das hiesige Hügelland vordringen. In diesem milden und niederschlagsarmen Klima können die Trauben der rheinhessischen Winzer problemlos ausreifen und bei richtiger Weinbergspflege sehr ausdrucksvolle und körperreiche Tropfen hervorbringen.
Rebsorten
Der rheinhessische Rebsortenspiegel ist ausgesprochen vielseitig: Bei den weißen Trauben spielen neben Riesling und Müller-Thurgau auch Grau- und Weißburgunder eine wichtige Rolle. Als besondere Profilrebsorte Rheinhessens gilt der Silvaner, der sich hier als jugendlich-moderner Klassiker präsentiert und leicht an dem einprägsamen Logo „RS“ erkennbar ist. Während in Rheinhessen früher vor allem Weißweinsorten angebaut wurden, beträgt der Anteil roter Varietäten heute bereits über 30 Prozent – insbesondere die Sorten Dornfelder und Spätburgunder sind in der Region erfolgreich, doch werden mittlerweile auch noch andere rote Trauben angebaut.
Die wichtigsten Traubensorten:
Rote Rebsorten:
- Dornfelder
- Portugieser
- Spätburgunder
Weiße Rebsorten:
- Riesling
- Müller-Thurgau (Rivaner)
- Silvaner
- Grauburgunder
- Weißburgunder
Qualitätsstufen
Weine aus Deutschland werden in vier Kategorien eingeteilt. Auf der untersten Stufe steht der Wein ohne genauere Herkunftsbezeichnung – traditionell auch Tafelwein genannt. Die nächsthöhere Qualitätsstufe wird vom Landwein gebildet, wobei die entsprechenden Produkte aus Rheinhessen die Bezeichnung „Rheinischer Landwein“ tragen. Die dritte Gütekategorie ist der „Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete“ – abgekürzt QbA. Die so klassifizierten Tropfen müssen einen sorten- und gebietstypischen Charakter aufweisen und werden einer amtlichen Qualitätsprüfung unterzogen. Die höchste Stufe schließlich bildet der „Prädikatswein“. An diese Weine werden sehr hohe geschmackliche Anforderungen gestellt, und auch für die Weinbereitung gelten um einiges strengere Vorschriften als für die einfachen QbA-Weine. Die Gruppe der Prädikatsweine ist ihrerseits in sechs Unterkategorien aufgeteilt, in welche die Weine je nach Lesezeitpunkt und geschmacklichem Grundcharakter eingeordnet werden. Diese Kategorien heißen Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese und Eiswein.
Seit dem Jahr 2000 gibt es in Deutschland unabhängig von dieser vierstufigen Pyramide noch zwei weitere Qualitätsbezeichnungen: „Classic“ und „Selection“. Der Begriff Classic ist für besonders klassische regionaltypische Weine bestimmt, die nach speziellen Richtlinien vinifiziert wurden. Die Stufe Selection ist noch hochwertigeren Tropfen vorbehalten, deren Produzenten besonders strikte Anforderungen zu erfüllen haben. Die Weine beider Qualitätsstufen müssen aus Rebsorten gekeltert sein, die als besonders typisch für das jeweilige Anbaugebiet gelten.
In Rheinhessen haben die Weine mit dem Etikett „Selection Rheinhessen“ einen besonders hohen Stellenwert. Diese gehobene Auszeichnung wird hier nämlich bereits seit dem Jahr 1992 verliehen und ist damit das älteste und angesehenste Premium-Programm der Region.
Anbaugebiete
Das Weinbaugebiet Rheinhessen gliedert sich in drei Bereiche: Bingen im Nordwesten, Nierstein im Osten und den Wonnegau im Süden. Die berühmtesten Weinorte Rheinhessens sind Nackenheim, Nierstein und Oppenheim. Sie gehören zur so genannten „Rheinfront“ – das heißt zu den steil zum Rhein hin abfallenden Rebflächen südlich von Mainz, auf denen ganz hervorragende Riesling-Weine entstehen.
Die rheinhessischen Anbaubereiche
Nordwesten
Osten
Süden