Möchten Sie mehr über Piemont-Weine erfahren?
Steigen Sie jetzt in das Weinseminar Sommelier Privé ein. Erfahren Sie alles über Piemont-Weine. Lernen Sie die typischen Aromen von Piemont-Weinen kennen und genießen Sie köstliche Tropfen dazu.
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Rund um Turin gedeihen etwa 55.000 Hektar Reben in atemberaubend schöner Kulisse „am Fuße des Berges“, wie das Wort übersetzt heißt. Mit vielen mittelalterlichen Burgen ist das Piemont eine der wohlhabendsten Provinzen Italiens. Viele beliebte Weine aus Italien stammen aus dieser Gegend: der prickelnd¬-süße Asti-Spumante, der fruchtige Barolo, der körperreiche Barbera oder der edlere Barbaresco. Außerdem ist ein wichtiges Produkt der Vermouth, der größtenteils aus Wein hergestellt wird. Übrigens: Kirschen sind hier trotz gegenteiliger Vermutung wenig verbreitet…
Der Weinkultur des Piemont wurde vermutlich vor etwa 2.500 Jahren von den Etruskern begründet – einem zivilisatorisch sehr hoch stehenden Volk, das seinen ursprünglich in Mittelitalien liegenden Siedlungsraum damals weit nach Nordwesten ausdehnte. Später intensivierten die Römer den Weinanbau in der heutigen Region Piemont, doch in den Wirren der Völkerwanderungszeit vom 5. bis 8. Jahrhundert nach Christus ging der Umfang der bewirtschafteten Rebflächen vermutlich drastisch zurück. Erst ab dem 11. Jahrhundert, als das Adelshaus der Savoyer im Piemont eine stabile Herrschaft errichtete, konnte der hiesige Weinbau auf eine neue Grundlage gestellt werden. Dabei waren zunächst vor allem die großen Klöster aktiv, später auch städtische Handelshäuser mit eigenen Kellereibetrieben. Der allmähliche Aufstieg der Dynastie der Savoyer trug ebenfalls zu einem Erstarken der piemontesischen Weinwirtschaft bei: Die Mitglieder dieser Familie regierten nämlich zunächst als Grafen, dann als Herzöge und ab 1713 sogar als Könige. Ihr neues Reich Piemont-Sardinien entwickelte sich nun zu einem der mächtigsten Staaten auf italienischem Boden, und der in der Hauptstadt Turin ansässige Hof wurde zu einem wichtigen Förderer des piemontesischen Weinbaus. Bei den hier erzeugten Tropfen handelte es sich zunächst um eher süßliche Weißweine sowie ebenfalls recht süße Rotweine mit hellem Farbton. Erst ab den 1840er-Jahren ging man daran, im Piemont auch schwerere, ausdrucksvollere Rotweine nach französischem Vorbild zu erzeugen. Besonders die Produkte aus den Anbauzonen Barolo und Barbaresco brachten es bald zu großem Ruhm. In der Region um die Städte Asti und Canelli wiederum nahm die Herstellung moderner Schaumweine einen großen Aufschwung. Mit der Reblausplage und den beiden Weltkriegen erlebte die piemontesische Weinwirtschaft einen vorübergehenden Niedergang, doch ab den 1960er-Jahren ging es wieder bergauf: Die Weine aus Barolo und Barbaresco gewannen ihre alte Berühmtheit bald zurück, und auch die anderen Tropfen aus dem Piemont – meist aus alteingesessenen einheimischen Rebsorten gewonnen – erfreuten sich wachsender Popularität. Heute genießt die Anbauregion einen ausgezeichneten Ruf und gilt als eines der renommiertesten Weinbaugebiete Italiens.
Mit Italien verbinden die meisten Menschen mediterranes Klima – gekennzeichnet durch heiße, trockene Sommer und milde, regenreiche Winter. Das im äußersten Nordwesten des Landes gelegene Piemont entspricht dieser Vorstellung jedoch kaum oder gar nicht, da hier ein anderes, nämlich ein kontinentales Klima herrscht. Es ist geprägt von heißen Sommern und kalten, frostreichen Wintern. Hauptursache dieser klimatischen Bedingungen sind die Gebirge, von denen das Piemont auf drei Seiten umgeben ist. Insbesondere die bis zu 4.800 Meter hohen Westalpen bilden ein gewaltiges Hindernis für die aus dem Nordwesten Europas herandrängenden Tiefdruckgebiete. Das Piemont ist daher von atlantischen Strömungen und Niederschlägen weitaus weniger betroffen als viele andere Gegenden Europas. Das daraus resultierende sonnig-trockene Sommerwetter lässt in den hier reifenden Trauben einen besonders konzentrierten Most entstehen, und die für kontinentales Klima typischen großen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sorgen für eine sehr vielschichtige Aromatik in den späteren Weinen.
Im Piemont werden vor allem einheimische Varietäten angebaut, während internationale Rebsorten sehr viel seltener anzutreffen sind. Berühmteste Traube der Region ist die rote Nebbiolo-Rebe, gefolgt von den ebenfalls roten Sorten Barbera und Dolcetto.
Das italienische Qualitätssystem wurde in den 1960er-Jahren geschaffen und ab den 1980ern modernisiert und weiter ausdifferenziert. Seitdem werden vier Qualitätsstufen unterschieden. Die unterste Stufe bildet der Tafelwein – der „Vino da Tavola“. Ihm folgt der Landwein, der mit der Bezeichnung „Indicazione Geografica Tipica“ (IGT) versehen wird. Auf der dritten Stufe steht der Qualitätswein mit kontrollierter Herkunftsbezeichnung, der auf dem Flaschenetikett durch das Kürzel DOC („Denominazione di Origine Controllata“) kenntlich gemacht wird. An der Spitze der Qualitätspyramide schließlich steht der Qualitätswein mit kontrollierter und garantierter Ursprungsbezeichnung („Denominazione di Origine Controllata e Garantita“ – DOCG). Im Vergleich zu anderen italienischen Weinbauregionen hat das Piemont verhältnismäßig viele Qualitätswein-Gebiete, nämlich 12 DOCGs und mehr als 40 DOCs. Eine weitere Besonderheit des Piemont besteht darin, dass es hier keine IGT-Gebiete gibt. Kellereien, die Weine erzeugen möchten, deren Rebsorten oder Herstellungsmethoden nicht den DOCG- oder DOC-Richtlinien entsprechen, können hier also nicht auf die weniger streng gefassten IGT-Bestimmungen ausweichen, sondern verkaufen ihre Produkte meist unter dem Namen der nächstniedrigen DOC.
Die meisten Weinbaugebiete des Piemont befinden sich in der Mitte und im Süden der Region. Die wichtigsten Appellationen liegen in den Hügellandschaften Monferrato, Langhe und Roero im Umfeld der Städte Asti, Alba und Alessandria.