Geschichte über die Rebsorte Malbec
Die Malbec-Traube hat eine sehr interessante Geschichte vorzuweisen: Noch Mitte des 19. Jahrhunderts war sie eine bedeutende Rebsorte des Bordeaux-Gebietes, in deren Rotwein-Cuvées sie Farbe, Frucht und gefällige Tannine einbrachte. Doch die Malbec-Rebe war schwierig zu kultivieren, da sie zum Verrieseln, das heißt zu einem Verlust ihrer Blüten und damit auch ihrer Traubenerträge neigt. Aus diesem Grund wurde sie nach der Reblauskatastrophe im Bordeaux-Gebiet nicht mehr neu ausgepflanzt und geriet hier allmählich fast ganz in Vergessenheit. Aber die edle Varietät war bereits im Jahre 1851 zusammen mit anderen Bordeaux-Rebsorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon nach Chile gelangt und wurde hier auch bald erfolgreich angebaut. Da die Malbec-Weinstöcke große Ähnlichkeit mit Merlot hatten, wurden beide Sorten von den Chilenen nach einiger Zeit nicht mehr richtig auseinander gehalten – zumal die inzwischen aus dem Bordeaux-Gebiet weitgehend verbannte Malbec-Rebe international kaum noch bekannt war. Erst in den 1990er-Jahren wurde die anspruchsvolle rote Traubensorte wiederentdeckt: Eine gentechnische Analyse ergab, dass es sich bei einem nicht unerheblichen Teil der chilenischen Merlot-Rebstöcke in Wirklichkeit um Malbec handelte. Die Sorte wurde daraufhin von den echten Merlot-Beständen getrennt und von nun an auch gesondert vinifiziert und ausgebaut – auf diese Weise entstanden die ersten reinsortigen Malbec-Weine Chiles. Nachdem man die vergessene Varietät durch verschiedene Marketing-Maßnahmen in der internationalen Weinwelt erneut bekannt gemacht hatte, stießen die entsprechenden Tropfen bei Kritikern und Konsumenten bald auf wohlwollende Aufmerksamkeit und verkauften sich nach einigen Jahren immer besser. Mittlerweile ist Malbec zu einer Art Flaggschiff-Rebsorte des chilenischen Weinbaus aufgestiegen, obwohl ihr Anteil an der Gesamtrebfläche des Landes nur etwa acht Prozent beträgt.
Charakter der Rebsorte Malbec
Wenn Rebsorten und die daraus erzeugten Weine beschrieben werden, greifen viele Experten gern zu Vergleichen mit anderen Trauben – so auch bei der Malbec-Rebe. Man charakterisiert sie häufig als Sorte, deren Weine geschmacklich zwischen Merlot und Cabernet Sauvignon angesiedelt sind, wobei Fachleute, die sich für Malbec begeistern, sogar der Meinung sind, dass die Traube die besten Eigenschaften von Merlot und Cabernet Sauvignon in sich vereine. Auf jeden Fall sind Malbec-Weine insgesamt kräftiger, aromatischer und würziger als die meisten Merlots, wirken aber weniger streng als die tanninbetonten Cabernet Sauvignons.
Malbec-Wein imponiert im Glas durch seine tiefdunkle Farbe, die in der Jugend bläulich-violette Reflexe zeigen kann. Das Bouquet ist meist intensiv, aber nicht aufdringlich. Beim Verkosten zeigt sich eine breite Palette verschiedener Aromen, die in der Regel sehr gut miteinander harmonieren und dem Wein eine beeindruckende Komplexität verleihen. Da sind zunächst die charaktervollen Fruchtaromen – sie erinnern vor allem an dunkle Beerenfrüchte wie Brombeere und schwarze Johannisbeere, zuweilen auch an Schwarzkirsche und Pflaume. Feine Gewürznoten sind bei dieser Rebsorte ebenfalls recht häufig anzutreffen. Wurden die Weine im kleinen Eichenfass ausgebaut, so lassen sich auch typische Barriquearomen wie Vanille, Kaffee und Bitterschokolade erschmecken. Malbec-Weine haben meist einen mittelschweren Körper. Sie wirken im Mund angenehm rund und samtig, denn ihre Tannine sind sehr weich und von Natur aus gut eingebunden. Aufgrund dieser gefälligen Tanninstruktur kann Malbec meist schon jung getrunken werden; er altert aber auch gut und lässt sich in der Regel problemlos einige Jahre lagern. Malbec-Weine werden sowohl reinsortig ausgebaut als auch mit anderen Rebsorten verschnitten, wobei die ehemaligen Bordelaiser Kollegen Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc als Cuvéepartner besonders geeignet sind.
Anbaugebiete
Die Malbec-Traube wird bis jetzt fast ausschließlich in Chile kultiviert, doch gibt es auch in einigen anderen Ländern kleinere Bestände. Die chilenischen Hauptanbaugebiete sind die renommierte Region Maipo sowie die südlich davon gelegenen Gebiete Cachapoal, Colchagua, Curicó und Maule. In allen diesen Gegenden herrscht ein gemäßigt mediterranes Klima, das den Ansprüchen der Malbec-Rebe sehr entgegenkommt.
Vor einigen Jahren hat man auch in Norditalien mehrere alte Malbec-Bestände entdeckt, die hier zuvor lange Zeit für die Rebsorte Cabernet Franc gehalten worden waren. Bis jetzt gibt es allerdings nur wenige italienische Kellereien, die Malbec-Weine in ihrem Angebot haben.
In den USA, Australien und Neuseeland interessieren sich die Winzer mittlerweile ebenfalls für die Malbec-Traube, haben aber erst vor wenigen Jahren mit deren Anbau begonnen. Meist sind es kleine, engagiert arbeitende „Boutique wineries“, die sich der feinen Bordeaux-Rebsorte widmen und beweisen, dass Malbec nicht nur in Chile noch eine große Zukunft vor sich hat.
Auch in der Heimat der Traube, dem französischen Bordeaux-Gebiet, sind einige Kellereien inzwischen dabei, ausgewählte Weingärten wieder mit Malbec-Reben zu bestocken. Bordeaux-Cuvées mit kleinen Anteilen dieser Varietät stellen aber im Moment noch echte Raritäten dar.